Cockspur 12 Barbados

Cockspur 12 Barbados

2307
0
TEILEN

Autor: DunklesKaramell
Forum-Link: anschauen

Liebe Freunde der Verkostungsnotiz!

Heute hat sich DK mal wieder an einen Barbados-Rum getraut. Die 1884 von Valdemar Hanschell begründete Marke begann mit Rum, wandte sich aber dann auch anderen Import- und Exportgütern zu, wie Gewürze, Fleisch und Obst, kann man vielleicht mit Signatory in Großbritannien vergleichen. Ich hatte ja einen nicht so ganz prickelnden Einstieg mit den Barbados-Rums, da ich mir bescheuerterweise gleich zu Anfang blind einen Mount Gay 1703 gekauft hatte, der eine geschmackliche Frechheit ist und der wahrscheinlich immer noch in meinem Regal stünde und mich ärgern würde, hätte er nicht an einem Fußballabend ( ich war nicht dabei ) in den Kehlen einiger Kollegen geendet ( in die man vermutlich an diesem Abend alles hätte ´reinschütten können ), aber mittlerweile heilten die feinen Aromen von Plantation Extra Old 20 Anniversary die Wunde, die der fröhliche bzw. schwule Berg geschlagen hat.  Und außerdem ist Barbados ja, was die Aufzeichnungen angeht, sozusagen historisch die Geburtsstätte des Wortes Rums schlechthin, denn eine Niederschrift von 1651, meines Wissens nach aus einem juristischen Dokument, beinhaltet zum ersten Mal das Wort rumbullion, eines der möglichen Ursprungsorte des heutigen Wortes Rum.
Zurück zu Cockspur: ein Kollege von mir war einst längers in Barbados zum Urlaub-machen. Und wenn der von Barbados erzählt, dann geht es hauptsächlich um drei Dinge: leckere Hummer, leckere Hähnchen und Rum, besonders Cockspur. Ob der allerdings damals wirklich den 12er trank, oder ob er sich etwas besseres schmecken ließ ( auf Barbados bekommt man sicherlich auch noch ältere Cockspurs, auch wenn das manche Internet-Blogger verneinen, aber ich kann´s nicht so recht glauben…… ), das weiß ich nicht, aber wegen seiner Aussage habe ich mir dann mal ein Sample vom Haus-und Hoflieferanten airprib bestellt. Broom verkostete den VSOR und fand einen sehr aromatisch würzigen Rum vor, der ihn „an alte Ledersessel erinnerte“, das könnte ja interessant werden. Gebrannt wird der Stoff sowohl in Column-Stills als auch in Pot-Stills, was sicherlich der richtige Weg ist, um einen sowohl weichen als auch aromatischen Rum zu erschaffen. Gelagert wird das Zeug 4-17 Jahre in Fässern aus amerikanischer Eiche, 12 ist keine Altersangabe, sondern es ist der Geschmack, der erreicht werden soll durch diesen Blend, er soll schmecken, wie ein 12jähriger Rum ( ja, alle die sich da auf die Angaben von Herrn Andreas Schwarz und gewisser verkaufsorientierter Rumhändler verlassen: die haben da alle ihre Hausaufgaben nicht gemacht oder sie nicht machen wollen  )

Kommen wir zum Wesentlichen:
Nase: Peking-Ente mit Pflaumensoße fiel mir spontan zuerst ein, als ich die Nase an das Gläschen hob, nicht übel, ein recht ordentlich verbranntes Karamell, viel dunkel-ölige Nuss, etwas süßes Leder / Pfeifentabak mit vanilligen Aszendenten, alles überlagert von einer maritimen Zitrus-Salznote. Je länger das atmet, desto besser wird es, schön nussig mit Aromen von Trockenpflaumen im Hintergrund, 9/10 Punkten

Geschmack: poliertes altes Holz, ölig, mit einer gewissen Tendenz ins ätzende, etwas Vanille, am Gaumen finde ich ihn zu dunkel, zu viele ölige Röstaromen, geht mir zu sehr in Richtung bitter 5/10

Abgang: nicht harmonisch genug, auch im Hinblick auf die Nase, etwas ruppig, leichtes Brennen neben den schon beschriebenen Gaumenaromen 5/10

Aftertaste: sehr nussig mit einer dezenten Süße, sehr schön, ölig und lang, später mündet er in zarte Eiche 8/10

Trocknendes Glas: wunderschönes, elegantes Duftholz, sehr schön, etwas süßer Tabak, Romeo und Julia auf einem Zedernholzbalkon ( kleine Zigarrenrauchermetapher ), so muss ein Glas riechen, wenn er nur so auch schmecken tät´  10/10, gibt man ihm noch etwas Zeit, dann bekommt er konzentriertere Aromen, die an eine gerade am Topfboden verkochte Rinderbrühe denken lassen oder vielleicht an gute Sojasoße, alles mit vanilligem Touch, klingt komisch, riecht aber wirklich gut

Fazit: Ein sehr paradoxer Rum, der leider genau da nicht überzeugt, wo er besser überzeugt hätte, nämlich im Geschmack, gerade die Gaumenaromen schockieren anfänglich schon ziemlich. Wenn man ein sehr aromatisches Mahl zu sich genommen hat ( Schwarzwälder Schinken vieleicht ), dann mag er so verkehrt nicht sein, auch zu einer starken Zigarre mag er möglicherweise passen, aber nach seiner tollen Nase hat mich der Geschmack enttäuscht. Wenn er auch, 10 Sekunden nachdem man ihn geschluckt hat, ach was, 5!, bereits wieder toll schmeckt…………..verrücktes Zeug! 37/50 Punkten
Wertung in Fässern: fass4

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT


× 6 = sechs