Rum + Cane Merchants Philippines XO

Rum + Cane Merchants Philippines XO

1830
0
TEILEN

Nach einiger Wartezeit kommt hier ein neues Tasting aus der Reihe “Rumexoten”.

Erneut fiel die Wahl auf einen Vertreter aus dem asiatischen Raum, genauer gesagt, ein Rum von den Philippinen.

Ein Exot ist der Rum in erster Linie aufgrund der Tatsache, dass man die Philippinen nicht unbedingt in erster Linie mit Rum in Verbindung bringt, wohl eher mit idyllisch gelegenen Reisterrassen, Stadtzentren mit spanischer Architektur und tollen Tauchrevieren. Die Exotik verblasst aber ein wenig angesichts des für Zuckerrohranbau optimalen subtropischen bis tropischen Klimas. Die Insellage sorgt zudem für ein noch ausgeglicheneres Klima.

Der Exotenstatus wird dann aber wieder durch seinen besonderen Status gepusht:

Der Rum wird von Crucial Drinks mit Sitz in Kilmarnock an der schottischen Westküste unter der Marke West Indies Rum & Cane Merchants vertrieben. Diese Firma führt  noch ein zweites Label für Rum (Six Saints) und zudem ein Label für Single Malt Whisky, die das Geschmacksprofil bereits geschlossener Destillen wiederbeleben sollen(daher der Name „The Lost Distillery Company“).

Bei West Indies Rum & Cane Merchants handelt es sich um eine Serie von Einzelfassabfüllungen aus verschiedenen Ländern, darunter “klassische “ Herkunftsländer wie Guyana und Cuba, aber auch so selten zu findende Länder wie die Fidschies und eben die Philippinen. Es wird bewusst eine Auswahl aus eher unbekannten Destillen getroffen und man legt Wert, den Rum in dem Alter anzibieten, der nach Meinung der Spezialisten bei Crucial Drinks genau den Charakter der Destille und des Herkunftslandes entspricht. Zudem wird auf jegliche Färbung oder Kühlfiltration verzichtet; die Jungs scheinen ihre Sache sehr ernst zu nehmen, was das Ganze sehr sympathisch macht.

Jedes Release ist auf genau ein Fass limitiert, entsprechend wenige Flaschen sind verfügbar und entsprechend hoch sind die Einstiegspreise.

Der Rum & Cane Merchants Philippines XO wird also von einer kleinen Brennerei Namens Bago produziert, die als Rohstoff sehr hochwertige Melasse verwendet. Die Lagerung erfolgt in einem refill Rumfass (allerdings wird nicht erwähnt, welcher Rum darin vorher gelagert wurde).

 

Aber nun zum Rum:

Die ungewöhnliche Flaschenform ist schon ein Hingucker und bringt Abwechslung ins Flaschenarsenal der Bar / der Vitrine. Auch die dezente Optik der Etiketten passt da sehr gut ins Bild. Auf dem Etikett ist neben den Standardangaben (Herkunft, Alkoholgehalt) auch noch explizit die Tatsache, dass nicht gefärbt und nicht gefiltert wurde, sowie die Destille, der Grundstoff, der Fasstyp, die Fassnummer (macht das Sinn, wenn es eh nur ein Fass ‘von gibt?) sowie die Flaschennummer (hier 266) vermerkt. Der Rum wurde mit 46% vol. abgefüllt.

 

Farbe:

Angesichts der Tatsache, dass nicht gefärbt wird und das Fass bereits einiges an Farbe an den Vorgänger-Rum abgegeben hat, muss die Lagerung ziemlich lange gewesen sein, um dem Produkt eine derartig kräftige dunkelrote Mahagonifarbe zu verleihen.

 

Nase:

Beim ersten Zug durch die Nase fällt auf, dass der Rum trotz 46% kaum bis gar nicht alkoholisch sticht. Stattdessen zeigen sich anfangs sehr kräutrige Noten, ich meine, etwas Lakritze zu erkennen, dann geht das Aroma Richtung Frucht (Birne und überreifer Apfel), um zum Schluss Aromen von etwas gebranntem braunen Zucker einzustreuen.

 

Geschmack:

Ououou…. Der hat mich aber mit seiner „nichtalkoholischen“ Nase ganz schön aufs Kreuz gelegt, denn beim ersten Schluck kommt der Alkohol sehr vehement daher, unmittelbar setzt starker Speichelfluss ein, es ist etwas schwierig, einzelne Aromen zu identifizieren. Erst muss ich mit dem Stich klarkommen. Hm, das hatte ich bei „nur“ 46% so nicht erwartet. Aber weiter im Text:

Nach dem scharfen Auftakt kommen nun langsam die Aromen: Durchaus präsente Karamelaromen, etwas Ester (mann, der fitzelt immer noch auf der Zunge…), Aber wenn dann etwas verdünnung im Mund einsetzt, dann kommen deutliche, aber sehr weiche Tannine vom Holz hervor, außerdem etwas Tabak, dann zeigt sich auch wieder das überreife Obst. Das Finish ist  relativ trocken und wird wieder von den Holznoten geprägt.

Wenn man einige Tropfen Wasser hinzugibt, wird das ganze Aromenspektrum doch deutlich Richtung Frucht verschoben.

 

Als Fazit lässt sich sagen, dass auch dieser Rum  durch seine direkten und unverfälschten Aromen gefällt. Er braucht definitiv etwas Zeit, man muss sich mit ihm beschäftigen. Er ist durch seinen etwas kantigen Charakter weniger für Rumeinsteiger und Süßrumtrinker geeignet. Allerdings schlägt er geschmacklich auch nicht so krass um sich, wie etwa ein Caroni. Er bewegt sich da eher im „Mittelfeld“.

Auf jeden Fall zeigt es einmal mehr, wie vielfältig Rum ist und es macht jedes Mal wieder Freude, wenn man sein Aromengedächnis um eine weitere Nuance bereichern kann.

 

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT


eins × = 9