„Rum-Exoten“

„Rum-Exoten“

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Rum….. welche Bilder gehen einem bei diesem Wort als erstes durch den Kopf? Klar: Weißer Sand, Palmen, azurblaues Wasser, sonniges Wetter, gutgelaunte Menschen, Cocktails… Also vorwiegend Dinge und Orte, die man in der Karibik oder auf Südseeinseln findet. Ein Großteil des weltweit produzierten Rums kommt ja auch von dort. Das hat natürlich mit dem primären Rohstoff von Rum zu tun, dem Zuckerrohr, welches ja ein beständig subtropisches Klima braucht , um ordentlich zu gedeihen. Nun gibt es neben den bekannten Rum-Nationen wie Kuba, Jamaika usw. noch eine ganze Reihe von Ländern, die man zwar nicht auf Anhieb mit der Rumproduktion in Verbindung bringt, die aber die klimatischen Voraussetzungen für eine reiche Zuckerrohrernte erfüllen. Und auch in Ländern fernab des tropischen Wendekreises wird mitunter Rum produziert, oft an Orten, wo man so etwas überhaupt nicht vermutet hätte. Von diese „Exoten“ unter den Rums handelt dieser Beitrag.

Anfangen möchte ich mit einem Land, das von Haus aus durch seine langjährige politische Isolation im Westen noch weitestgehend unbekannt ist, das sich aber seit einigen Jahren mehr und mehr öffnet und momentan in einer unglaublich intensiven Phase des Wandels und des Umbruchs ist: Burma, oder „Myanmar“, wie es nun offiziell heißt.

Das Land liegt im Uhrzeigersinn eingerahmt vom Golf von Bengalen, Bangladesch, Indien, der Volksrepublik China, Laos und Thailand sowie dem andamanischen Meer. Es liegt etwa auf denselben Breitengraden wie die karibischen Inseln. Durch die große Nord – Süd – Ausdehnung vom Himalaya bis zu den tropischen Gewässern der Andamanensee finden sich dort sehr viele Klimazonen, vor allem subtropisch- feuchtwarmes Klima, also ideale Voraussetzungen für das Wachstum von Zuckerrohr. Dieses wird auch in weiten Teilen des Landes angebaut; meist wird es zu Rohrzucker verarbeitet oder am Straßenrand verkauft, wo es durch handbetriebene Pressen gedrückt und der gewonnene Zuckersaft in Plastikbeutel abgepackt wird.

Man wird jedoch auch recht bald neben dem fast übermächtig beworbenen Grand Royal Whisky das erste Werbeschild für Mandalay Rum zu Gesicht bekommen. Alle Rumsorten unter dem Label „Mandalay Rum“ werden zwar von unterschiedlichen Destillerien (Mandalay Destillerie, Zay Ya Waddy Destillerie) hergestellt, aber alle von der Victory Myanmar Group“ vertrieben. Auch Gin und Brandy sind im Programm.

Meist bekommt man in den Straßenküchen und Läden, über denen das Werbeschild prangt, den Standard-Rum. Er wird in einer quadratisch-eckigen Flasche mit schräg verlaufendem roten Etikett angeboten, die der Aufmachung eines berühmten Whiskys verdächtig ähnlich sehen. Der Rum wird von der  Mandalay Destillerie gebrannt und gelagert. Die Geschichte reicht angeblich bis zur britischen Kolonialzeit zurück, als Gründungsjahr wird 1886 angegeben. Gelagert wird der Rum ein Jahr, entsprechend scharf und kantig schmeckt der dann auch, ein detailliertes Tasting ist bei diesem Feuerwasser nicht nötig. Zum Pur – Trinken ist er eher für härtere Naturen geeignet, ansonsten eher zum Mixen empfohlen

Den hier vorgestellten 12 jährigen Rum findet man deutlich seltener, auf dem Land so gut wie gar nicht (weil er für die Bevölkerung einfach zu teuer ist). Ich habe ihn nur in einer Bar in Yangon gesehen. Die Flasche habe ich am Flughafen gekauft, dort ist er für günstige 8 Dollar zu haben (das Doppelte des normalen Rums). Durch den für Burmesen hohen Preis und die Seltenheit ist das Zielpublikum eindeutig die wohlhabende Oberschicht Burmas sowie Touristen. Auch dieser Rum wird von der  Mandalay Destillerie gebrannt, geblendet, gelagert und abgefüllt und trägt die Zusatzbezeichnung „Extra Special“ . Er wird mit 43% Vol.  in 680ml Flaschen angeboten, auch diese sind quadratisch und ähnlich gelabelt wie der Standard – Rum, nur dass die Etiketten statt in hellrot nun in einem glänzenden Purpur – bordeauxrot daherkommen. Sowohl Herstellung als auch Lagerung laufen laut Brennerei zu 100% natürlich ohne künstliche Zusätze ab (was nur schwer nachprüfbar ist).

Aber genug der trockenen Fakten, kommen wir zum Rum:

Farbe:

Im Glas zeigt sich der Rum ockerfarben und sehr hell für einen 12 Jahre gelagerten Rum, was die Behauptung untermauert, der Rum sei ohne Zusätze produziert.

Blume:

In der Nase ist als Erstes Kokosfett wahrnehmbar, dann der Geruch von frischem nassen Holz, es schleicht sich ein leicht chemisch wachsiges  Aroma dazu, im Hintergrund meint man, Muskat zu riechen. Die klassischen Rumaromen sucht man lange vergebens, erst nach einer Weile kommt ein wenig Karamell durch. Der Rum hat eine Aromenpalette, die ich so bisher noch nicht in der Nase hatte.

Geschmack:

Der Geschmack setzt da an, wo die Nase aufgehört hat:  Der Rum ist für seine 12 Jahre noch recht stichig, die Süße ist minimal, sehr bald zeigt sich ein leichtes Bitteraroma. Auch jetzt kommen ein paar kunststoffartige Nuancen durch, die ebenfalls wachsig und Politur-artig daherkommen. Das „frische Holz“ ist ebenfalls präsent. Insgesamt ist das Aromenspektrum nicht allzu komplex und sehr geradlinig.

Fazit:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Rum eine ganz eigene Charakteristik hat. Die Aromen sind recht ungewöhnlich und zum Teil ziemlich dominierend. Man hat den Eindruck, dass die Entwicklung lange gealterter Rums hier noch in den Kinderschuhen steckt und dass für die Lagerung auf relativ frische Fässer zurückgegriffen wurde.  Der Grundstoff, also das Zuckerrohr ist sicher gut, die klimatischen Bedingungen könnten ja besser nicht sein. Die Frage ist, wie die Rohstoffe geerntet und weiterverarbeitet werden und wie der Brenn  – und Lagerungsprozess aussieht. Hierüber finden sich momentan leider nur sehr spärliche Informationen. Aber  wenn sich die Rumkultur ebenso rasant weiterentwickelt, wie der Rest des Landes, darf man gespannt sein, was da in Zukunft noch aus dem „goldenen Land“ an Überraschungen kommt.

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