Ryoma 7 Years: Rum aus Japan

Ryoma 7 Years: Rum aus Japan

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Und weiter geht’s in der Reihe „Rumexoten“.

Kommen wir zu einem Land das für viele Sachen bekannt ist: Den effizientesten Hochgeschwindigkeitszug der Welt, High-Tech Elektronik, Autos, rohen Fisch in Massen, gute Skispringer, Höflichkeit und Lächeln….. Richtig, die Rede ist vom Land der aufgehenden Sonne, Japan. Aber Rum? Aus Japan? Da Wäre doch erst einmal der weit verbreitete Glaube, Japaner könnten keinen Alkohol trinken, weil ihnen ein Enzym dazu fehlt. Nun, das mag für einige wenige Japaner zutreffen, und meist nur dann, wenn sie deutsches Bier trinken. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn der Japaner an sich trinkt sehr wohl und auch recht viel. Das wird spätestens dann ersichtlich, wenn man in ein Izakaya geht, einer Art Kneipe, die eher dem österreichischem Heurigen ähnelt: Ein Laden, in dem es ein wenig delikates Essen und jede Menge zu Trinken gibt.

Japans Nationalgetränk ist nach wie vor der Sake, der Reiswein, der nicht gebrannt, sondern wie Bier mit Hefekulturen gebraut wird. Mittlerweile hat ihm aber von der Menge her das Bier längst den Rang abgelaufen. Zudem wird landesweit auch ein Reisschnaps, der sogenannte Shochu produziert, der je nach Herkunftsregion mal aus Reis, mal aus Gerste, oder auch aus Süßkartoffeln oder Zuckerrohr gebrannt wird und zwischen 25% und bis zu 70% Alkohol (beim Awamori aus Okinawa) enthält.

In den letzten Jahren haben sich auch eine Reihe Wisky-Destillen einen Namen gemacht und zum Teil sogar den etablierten Schotten ernsthaft Konkurrenz gemacht, allen voran Suntory, Nikka und Karuizawa.

Und da kommen wir auch schon dem Rum ziemlich nahe.

Auf Shikoku (eine der 4 Hauptinseln zwischen Honshu, Kyushu und dem Pazifik) liegt im Städchen Aki in der Präfektur Kochi an der Südküste zum Pazifik die Kikusui Sake Brewing Company: Wie der Name schon sagt, wird hier hauptsächlich Sake hergestellt, jedoch ist die Brauerei sehr experimentierfreudig und hat eine Reihe ungewöhnlicher Produkte im Programm; unter anderem finden sich dort Süßkartoffel-Shochu und Joghurt-Likör.

Ganz nebenbei ist Kikusui aber auch der älteste Zuckerrohrverarbeiter Japans. Immerhin befindet sich die Stadt Aki auf demselben Breitengrad wie die Kanaren oder Nordafrika, zwar nicht mit tropischem Klima gesegnet, aber dennoch warm und beständig genug, um hier Zuckerrohr anzubauen.  Was also lag da näher, als den guten Grundstoff und das Know-How dazu zu verwenden, auch mal einen Rum draus zu destillieren.

Kommen wir nun zum Rum:
Es handelt sich um einen Rum, der  wie  Agricoles aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft destilliert wurde. Die Reifung erfolgte über einen relativ kurzen Zeitraum von 7 Jahren durchgehend in Eichenfässern. Er wurde mit einem Alkoholgehalt 40% Vol.  in 0,7 Liter  Flaschen  abgefüllt.

Es kursieren einige Stories zur Bezeichnung „Ryoma“:  Sie ist angeblich angelehnt an den berühmten Samurai Ryoma Sakamoto, einem der Wegbereiter der Meiji – Restauration und damit der Modernisierung Japans. Vielleicht soll damit der „neue Weg“ symbolisiert werden, den die Brauerei mit der Rumproduktion eingeschlagen hat. Wer weiß…. Fakt ist, dass das Familienwappen Ryoma Sakamotos auf der Versiegelung des Schraubverschlusses gedruckt ist.

Die Aufmachung mit der minimalistischen Verpackung, der mattschwarzen Flasche und dem silber schimmernden Grasdekor auf dem Etikett macht auf jeden Fall Eindruck und hebt sich  durch die Schlichtheit und Prägnanz wohltuend von anderen Rumflaschen und -Verpackungen ab.

Der Rum selber hat eine sehr helle Farbe, fast könnte man ihn als „farblos“ bezeichnen, wenn man sich zum Vergleich einige ähnlich alte Rums aus der Karibik daneben stellt (bei denen ja oft genug fleißig mit Zuckerkulör nachgeholfen wird).  Die Färbung geht Richtung pastellgelb, man meint einen minimalen Grünstich zu erkennen. Hier wurde vermutlich nur sehr dezent nachgefärbt, wenn überhaupt.

Der dezente Auftritt im Glas wird jedoch beim ersten Schnuppern widerlegt: Der Rum präsentiert sich sehr floral mit agricole-typischen gelben Fruchtaromen, die hier aber wesentlich subtiler daherkommen. Im Hintergrund meint man, etwas Hefe-Artiges wie eben bei einem Shochu, wahrzunehmen. Zum eine kommt minimal das Eichenfass. untermalt von einer leichten Bananen-Note.

 

Der Geschmack setzt den ersten Eindruck der Nase fort: Anfangs noch etwas stichig, wird er mit jeder Sekunde runder: Wiederum kommt zu Anfang der Agricole – Charakter, aber auch hier verhaltener und verspielter: Erst kommt das Bananige, es folgen wieder florale Noten. Zum Ende schleicht sich eine sehr dezente Süße dazu, die fast wie hingehaucht wirkt und das Ganze schön abrundet. Hier schmeckt man dann auch die vielzitierten Vanillearomen, wobei ich die nicht so vordergründig präsent sehe und diese auch nicht mit den Vanillebomben aus der Dom-Rep vergleichen kann.

Der direkte Abgang erscheint seltsamerweise etwas abrupt und kurz. Aber der Nachhall im Mund bleibt lange erhalten. Auch später im trockenen Glas bleibt noch ein wunderbar blumiges Aromenspiel.

Alles in allem ein Rum der mit ehrlichen und unverfälschten Aromen daherkommt und einem nichts vorgaukelt. Gefällt mir sehr gut.

Interessanterweise zielt der Hersteller, wie bei einer Vielzahl seiner Produkte, so auch bei diesem Rum vor allem auf das weibliche Publikum, wobei ich mir da nicht sicher bin, ob die Rechnung aufgeht. Der Rum ist zwar sehr verspielt und floral, hat aber auch seine Ecken und Kanten und ist kein Gaumenschmeichler, wie die Süßrums aus der Karibik.

Es ist in jedem Fall eine wohltuende Abwechslung und ich kann ihn allen Agricole – Liebhabern und Leuten, die mal über den Tellerrand schauen möchten, wärmstens empfehlen.

1 KOMMENTAR

  1. Hi, danke für den Hinweis auf diesen spannenden Rum. Da ich leidenschaftlicher Anhänger von Agricoles bin, freue ich mich darauf diesen Rum zu probieren. Mal sehen, wo ich ihn kriegen kann. Toll geschrieben, danke. LG

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